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Der DRTMarkt im Niedergang ?
PROJECT CONSULT Newsletter 20010903
Einige Gedanken im Vorfeld der DMSEXPO
In Kürze öffnet die Leistungsschau der Branche für DRT Document Related Technologies, die DMSEXPO 2001, in Essen ihre Pforten. „Wissen im Netz“, „Content Management“, „Knowledge Management“, „Revisionssichere Archivierung“, „der Gesetzgeber verlangt die elektronische Archivierung“, „E-Mail-Archive“, „ASP“, „EBusiness“ ... sind die Slogans, die zur DMSEXPO durch die Presse und die Werbung der Anbieter geistern. Wieder werden sich die Flächen, Stände und Ausstellerzahlen vergrößert haben. Gerhard Klaes, Chef der DMSEXPO, hat alles getan, um seine Veranstaltung auch diesmal wieder zu einem Erfolg zu machen. Dennoch sind auch die Schatten über der DMSEXPO nicht zu übersehen. Weltweit ist ein Niedergang des Messe-Geschäftes zu verzeichnen. Der Markt für Kongress, Seminar und Messe-Events ist übersättigt, es herrscht Verdrängungswettbewerb. In Großstädten kann man fast jeden Tag an einer anderen Veranstaltung zu irgendeinem IT-Thema teilnehmen. Aber auch in anderen Branchen sieht es ähnlich aus. Im DRT-Markt kommt hinzu, dass viele der Themen und Schlagworte etwas „angestaubt“ wirken und neue Buzzwords nur noch mit Kopfschütteln als Hype abgetan werden. Das spezielle Marktsegment ist außerdem nicht im direkten Fokus der Anwender. So wird sich auch das Gesicht der DMSEXPO in den nächsten Jahren wandeln – müssen –, um die Attraktivität dieser Veranstaltung zu erhalten. Gemessen an den Zahlen hat sich die DMSEXPO in Europa als eine der führenden Veranstaltungen etabliert. Dabei muss aber berücksichtigt werden, dass in anderen europäischen Ländern auch andere Konzepte vorherrschen. Massenveranstaltungen wie Groß-Messen sind ein vorrangig deutsches Phänomen, besonders wenn man die CeBIT, Systems und andere Veranstaltungen als Maßstab nimmt. Andernortes überwiegen Kongress-Veranstaltungen, Roadshows und Seminare mit begleitender „Table-Top-“Ausstellung. Ob sich daher das derzeitige DMS-EXPO-Konzept unverändert in andere europäische Länder exportieren lässt, ist eher unwahrscheinlich.
Eine Veranstaltung wie die DMSEXPO lebt von der Zahl der Besucher und der Aussteller. Beide Zahlen stehen in einer direkten Beziehung – zuwenig Aussteller bedeuten zu wenig Attraktivität für potentielle Besucher, zu wenig qualifizierte Besucher führen zum Ausstieg des Ausstellers aus der nächsten Veranstaltung. Die DMSEXPO hat es im letzten Jahr geschafft, deutlich über der kritischen Masse für beide Klientel zu liegen und wird trotz schlechterer wirtschaftlicher Lage auch in diesem Jahr ihr Ziel erreichen. Mancher Anbieter überlegt aber derzeit noch, ob er es sich finanziell überhaupt leisten kann, an der DMSEXPO teilzunehmen. Dies gilt auch für Unternehmen, die heute – noch – die lange Ausstellerliste schmücken. Eine Nichtteilnahme kommt für Anbieter, die in diesem Markt eine Rolle spielen wollen, einem Image-Disaster gleich. Dennoch ist abzusehen, dass der eine oder andere bekannte Anbieter seine Präsenz verkleinert, nur über Partner oder überhaupt nicht mehr vertreten sein wird. Eine Reihe von arrivierten Anbietern wie Gentriqs oder Autodigit hat inzwischen sogar das Zeitliche gesegnet. Auch wenn noch immer Vorträge gehalten werden, in denen die Konsolidierung des Marktes als fraglich dargestellt wird in den nächsten Monaten trennt sich die Spreu vom Weizen. Auch manches gute und fortschrittliche Produkt wird nicht überleben, wenn es keine ausreichende Marktdurchdringung erreichen konnte. Das finanzielle Überleben zahlreicher kleiner und mittelständischer DRT-Anbieter ist derzeit bedroht. Zum Teil sind es hausgemachte Probleme, man muss aber auch zu Gute halten, dass sich die gesamte Wirtschaft in einer – echten oder herbeigeredeten – Rezession befindet. Dies schlägt sich besonders auch auf IT-Investitionen der potentiellen Kunden nieder.
Das gesamte Thema „eCommerce“ ist inzwischen negativ besetzt, da im B2C keiner so recht Geld verdient, unseriöse Börsenneulinge ihr Geld auf den Bahamas verpulvert haben, B2B sich auch nur zögerlich entwickelt und die „Old Economy“ inzwischen die „StartUps“ wieder eingeholt hat. Die Verunsicherung durch die Börse mit dem Niedergang zahlreicher DMS und CMS-Anbieter, der sich fast durch die gesamte Branche zieht, tut ein übriges. Die „schwarzen Schafe“ und der Absturz der Kurse macht dabei allen Anbietern im Markt zu schaffen. Auch solide Unternehmen leiden unter dem Image-Verlust und dem Projektstau. Projekte werden zur Zeit nur sehr zögerlich gestartet. Viele Anwender haben inzwischen erkannt, dass es nicht mehr nur um eine einfache Webpräsenz oder ein schlichtes Archivsystem geht, sondern dass Enterprise Content Management alle Bereiche des Unternehmens umfassen kann und auch sollte. Die fachliche Konzeption, Wirtschaftlichkeit und Integration in vorhandene IT-Infrastrukuren gewinnt an Bedeutung. Man tut sich schwer mit Produktentscheidungen. Hierunter leiden besonders die kleinen, innovativen Anbieter. Es ist abzusehen, dass die richtig großen Projekte wieder von den arrivierten IT-Anbietern abgeschöpft werden. Auch der explosionsartige Wildwuchs an Content-Management-Produkten wird in Kürze ein Ende finden, zumal Microsoft, IBM, Oracle, SAP und andere Standardsoftware-Anbieter sich inzwischen massiv im Content-Management-Markt positionieren. Egal ob man nun von Content Syndication, Web-Content-Management oder Enterprise-Content-Management spricht, die traditionellen DMS-Anbieter werden nur ein nachgeordnete Rolle spielen. Viele Produkte werden nur als nachgeordnete Dienste überleben. Die Abhängigkeit von Vertriebspartnern und Integratoren wird größer und die eigene Visibilität der Produkte geht zurück. Wenn man sich als Standardplattform etabliert hat, ist dies kein Problem. Manche Produkte kleinerer Anbieter sind inzwischen aber allein vom Zustandekommen eines oder zweier Großaufträge abhängig. Gewinnt diese Projekte ein Wettbewerber, verzögert sich die Vergabe oder wechselt der Systemintegrator den Komponenten-Lieferanten, droht bereits das Aus. Dementsprechend zurückhaltend gehen die Anwender bei der Beschaffung wenig bekannter Lösungen kleinerer Anbieter vor. Ein Circolosus virtuosus ohne gleichen.
Die von den Analysten versprochenen Milliardenmärkte sind schwer fassbar und teilen sich in zahllose Einzelfacetten auf. Traditionelle Märkte werden immer enger und der Wettbewerb härter. Die interessante Vielfalt der Anbieter und Produkte in Deutschland im DRT-Marktsegment nähert sich dem Ende. Keiner der Börsengänger ist dem eigenen Anspruch und den eigenen Zielen gerecht geworden. Man behilft sich halt, von Quartalsbericht zu Quartalsbericht, von Bilanz zu Bilanz. Doch irgendwann sind alle Mittel der positiven Selbstdarstellung erschöpft, das Tafelsilber verkauft, auch Riesenposten offener Forderungen befriedigen die Börsenanalysten nicht mehr, das ständige hin und her von Reorganisationen, Personalwechseln, Firmenaufkäufen und Firmenverkäufen führt nur noch zu Irritationen über die Strategie des Unternehmens, spätes Zahlen fälliger Rechnungen hilft bei schrumpfender Gesamtliquidität auch nicht mehr, die Aktivierung noch nicht fertiggestellter Produkte lässt sich nicht beliebig fortführen und die Glaubwürdigkeit der Führungspersönlichkeiten bewegt sich dank nichtssagendem Marketing-BlaBla dem Nullpunkt zu. Wir erleben einen schwarzen Herbst für die Branche. Die inhaltliche Aussage zahlreicher Adhoc-Meldungen ist inzwischen irgendwo zwischen nichtssagend, unerheblich oder gar falsch einzustufen. Hinzurechnen muss man auch pompöse Ankündigungen über Firmengründungen, die sich erst Monate später als Mini-Firma im Handelsregister finden lassen, krasse Fehlmeldungen über angeblich getätigte Geschäftsabschlüsse, Veröffentlichungen zu nicht vorhandenen Zertifikaten, Laudatios über die Vereinbarungen zahlloser inhaltsleerer Kooperationen, Nachrichten zum Aufkauf nicht real vorhandener Unternehmen bis hin zur Benennung klangvoller Namen in neuen Positionen, die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht unterschrieben oder das Unternehmen bereits wieder verlassen haben. Die Branche trägt auf diese Weise selbst zum Niedergang bei.
Entscheidend sind Seriosität, Leistung und Qualität: wie gut sind die Produkte, wie einfach lassen sie sich in Lösungen integrieren, wie professionell ist der Support, wie ist das Preis/Leistungsverhältnis? Gerade hier bleibt viel zu wünschen übrig und so manche Neuankündigung auf der DMSEXPO wird nichts anderes als ein neues Etikett für ein bekanntes Produkt sein, ergänzt vielleicht um ein, zwei Features. So werden auch die Neuvorstellungen von Portal, eBusiness und Business-Intelligence-Lösungen auf der DMSEXPO seitens der traditionellen Anbieter nur ein „Auflackern“ darstellen: einmal, weil der Weg vom „Messe-Mockup“ zum fertigen Produkt ein sehr langer und steiniger ist, zum zweiten, weil die Musik längst woanders spielt. Es wird vielleicht für ein moderates Wachstum in einer Nische reichen, die Träume vom „Global Player“ sind zu begraben. Zumindest für die börsennotierten Anbieter wird diese Aussicht nicht reichen und manches Unternehmen kann man bereits heute fast als „Penny Stock“ einstufen. Der Tiefpunkt des DTX Document-Technology-Index ist noch nicht erreicht. Konzepte, wie man sich aus dieser Schieflage befreit, gibt es wenige, und den meisten Unternehmen wird die Kraft zur Umsetzung fehlen. So wird vieles auf der diesjährigen DMSEXPO an Potemkinsche Dörfer erinnern. Wenn man`s weiß, macht ein Besuch vielleicht sogar noch mehr Spaß, und man freut sich über die wenigen, echten Perlen um so mehr. (Kff)
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